Vollkasko für Nanorisiken

Der Schutz vor echten Gefahren wie dem Klimawandel ist unmöglich, da schicksalsgegeben. Doch wird dies durch gefühlte Sicherheit kompensiert   vor Terroristen und unterdrückten Kopftuchmuslima. Im Gegenzug darf der Bürger Freiheitsrechte abgeben, mit denen er ohnehin überfordert ist (Recht, auf Erwerbsarbeit zu verzichten); oder die er aus Autoritätsaffinität wieder loswerden möchte (Recht auf keine Todesstrafe). Noch wirksamer ist allerdings die Protektion vor Nichtgefahren; und in einer verkindenden Gesellschaft punktet man am allerbesten, wenn man die Bürgerin vor sich selbst schützt, wenn der Kampf gegen selbstgemachte Bedrohungen gewonnen wird:

Das behütete Gefühl, wenn du fest in ein Sicherheitsnetz eingewickelt bist.

Bagatellrisiken zu verhüten schafft Sicherheit beim Drahtseilakt auf dem Boden. Die Veräußerung der Verantwortung für Handeln und Trachten befreit den Menschen von der Last der Haftpflicht: Dein Tun hat nichts mit dir zu tun jedenfalls, wenn es nicht gut tut. Sprachlich ist Fehldeutungen vorzubeugen. Ein Missverständnis ist nicht Kenntnis junger Frauen.

Fahrlässigkeit: beim Rauchen im Auto die Hände vom Steuer nehmen.
Grobe Fahrlässigkeit: dabei Schnaps trinken

Das Leben, es ist vom Herausfallen aus dem Mutterleib an Risiko. Das Lebensrisiko lässt sich minimieren, indem man so wenig lebt, wie man kann.

Enteignung gehört den Besitzenden!

Die Anhäufung exorbitanten Reichtums setzt keinesfalls die Übervorteilung anderer voraus, sei es durch überteuerte Güter oder unterhonorierte Arbeit. Werte können sehr wohl aus dem nichts geschöpft werden. So bestehen Schrottfonds nur aus Marketing, bringen aber mitunter Milliarden ein. Ebenso ist Liebe aus sich selbst gemacht und vervielfacht sich, wenn man sie vielen zukommen lässt — wenn etwa der Charitykonzern Vonovia seinen Kunden die Wohnung liebevoll saniert. Der im Gegenzug erhöhte Mietzins ist Ausdruck von Wertschätzung, wodurch beiden Seiten Karmapunkte gutgeschrieben werden.

„Ich bin gegen Sklaverei, weil nachher heißt’s wieder: Eigentum verpflichtet!“ (Gerhard Polt)

Gleichwohl ergreifen Enteignungsfantasien Besitz von Wohninteressierten. Dabei ist Enteignung nicht immer verkehrt, es muss aber das Freiwilligkeitsprinzip walten: Menschen geben aus freien Stücken ihr Einkommen für Scheißdreck dran, entscheiden sich von selbst für den Notverkauf ihrer Eigentumswohnung oder entrichten nach der Renovierung die doppelte Miete, weil sie mit der Alternative einer Freiluftwohnung nicht einverstanden sind. Auch mit der Entscheidungshilfe einer Entmietungsfirma kann man es ihnen nicht recht machen.

Das Objekt der freiwilligen Enteignung dem Enteignungsnehmer unfreiwillig zu entreißen, wäre eigentümliche Unsportlichkeit. Man verschießt ja auch keinen Elfmeter, nur weil man den Schiedsrichter bestochen hat. Man verwendet ja auch keine durchdachten Vergleiche, nur weil es noch ein, zwei Leser gibt, denen ein schiefes Bild auffällt.

„Enteignen mit Entschädigung ist genauso ein Unsinn wie Guillotine aus Watte.“ (Thomas Gsella)

Vermöge großen Vermögens lässt sich weiterer Reichtum aneignen. Dräute den Begüterten Enteignung, hätten sie keine Motivation zu weiterer Wohlstandsakquise mehr. Dies träfe auch die (neidorientierten) Skeptiker von Megavermögen, denn dem Feuer ihres Furors wäre die Nahrung genommen.

Anders gesagt: Dem Immobilien-Mogul dürfen nur Lappen durch die Lappen gehen, wenn er nämlich die Sentimentalitätstränen der besitzschwachen Enteigneten nicht aufwischen möchte. Letztlich muss das Haben im Soll sein. Und beim Besitzergreifen ist zupacken gefragt.

Den Datenhunger auf der Welt stillen

Daten muss man nehmen, wie sie kommen: Daten von Dates, Klimaxdaten, Darmflora-Daten, Daten über Unverträglichkeit von Datenklau. Die Daten, die der homo digitalis sekündlich qua Existenz abliefert, ermöglichen eine permanente Evaluation seiner: Welcher Anteil von ihm Mensch (011101000…) ist eine Null?
Die calvinistische Vision einer Gesellschaft, in der jede alles über jeden weiß, sie ist heute praktisch Realität. New transparency: der gläsernen Bürgerin die Spuren vom Verlassen des Tugendpfades ansehen. Dies‘ Wissen stellt jedem die Aufgabe, solch‘ schwarzes Schaf zu weißeln.

Datenschutz hingegen überlässt man lieber den Profis. Schon für geringes Schutzgeld bieten Megaklitschen wie Amazon Schutz selbst von intimsten Daten an, Schutz vor der Privatheit seiner Informationen. Merke: Datenexternalisierung ist Selbstschutz: Wer möchte bitte über sich selbst wissen, auf welchen Drecksseiten sie gesurft hat und wie sie beim Sex aussieht?

00, die digitale Toilette

Vor ein paar Jahren wurde vorgeschlagen, unsere letzten Daten freiwillig beim Staate abzuliefern. Doch was heute realisiert scheint, „die komplette Offenlegung unserer Persönlichkeit und unseres Privatlebens“, vermag den Datenhunger nicht zu stillen. Wie können wir Bürger da helfen? Indem wir brontobyteweise neue Daten herstellen, z.B.:

Ein gutes Einkommen ist die halbe Miete

Mit gutem Einkommen ist gut auskommen. Diesem Prinzip kommt man nicht aus. Es regelt, wer sich häuslich niederlässt, wer haust und wer im Freien logiert. Das Residenzprinzip besagt, dass Menschen, die viel Haus haben, nicht haushalten müssen, wohingegen Nichtwohner hausieren. Solche Haushaltlose mag man bedauern, doch sind sie vor Wohnhaft gefeit. Keine vier Wände schränken sie ein, und sie zahlen nicht für einen engen Raum dazwischen einen Mondpreis. Es profitiert also auch, wessen Mobilität nicht am Ende des Tages an einer Haustür endet.
Demgegenüber bedeutet „ansässig zu sein“ Stillstand (okay: Stillstand im sitzen). Träges Inne(!)halten ist nicht Aufbruch zu neuen Ufern und den gemeinschaftlichen Schlafplätzen am Fluss. Dafür kann sich die Loftbewohnerin zum Indoor-Spa und auf die 360°-Terrasse bewegen.

„Der Mobile braucht keine Immobilie.“ (Zwischen Tür und Angel vernommen).

Was also der Markt zum Wohle von Residenz- wie Parkbewohnern regelt, die Mietpreisbremse will es zerstören. Sie ist das Tempolimit für drinnen, bremst die Obdachlosen-Mobile aus und gefährdet die Freiluftwohnungen.
Damit nicht genug, diskriminiert sie die zum Haushalten verdammten Normalverdiener; sollen doch deren Buden beim Durchökonomisieren außen vor bleiben (wie die Hausierer vor der Wohnungstür). Ohne Bremse gewährleisten Schönheitsreparaturen Mietsteigerungen und damit ökonomisches Wachstum selbst auf kleinstem Raum. Warum nun ist das auch für die Einzelne gut? Weil die Mieterin vermöge (!) der exorbitanten Miete das Gefühl bekommt, teuer und exquisit zu wohnen. Will sagen: Sie kann mit dem Wucher wuchern.

Der Neoliberalismus kann alles

1936 geboren aus der irren Idee, der Markt könne alles regeln, schickt sich der Neoliberalismus heute an, tatsächlich alles zu regeln. Dank gebührt dafür den dies ermöglichenden, gleichermaßen irren Umständen. Sie haben den Unsinn Friedrich A. Hayeks vom „Wettbewerb als einzig legitimen Organisationsprinzips menschlichen Handelns“ zum herrschenden Gesellschaftmodell „jeder gegen jeden“ befördert.

Gleichwohl hat der Politikwissenschaftler Colin Crouch fünf Dinge benannt, die der Neoliberalismus angeblich nicht könne. Diese Behauptungen gilt es im Sinne des waltenden Irrsinns zu widerlegen:

1. Schädliche Nebenwirkungen des Kapitalismus („Externalitäten“) unterbinden, beispielsweise Umweltzerstörung und Krankheit

Krankheit, falls vom Neoliberalismus hinreichend schlimm verursacht, schickt Arbeitsmarkt-Versager über den Hades bis es keine Kränklinge mehr gibt. Die Angst vor Krankheit wiederum wird andere Arbeitnehmer die Megasupertechnologie zur Retttung des Planeten entwickeln lassen. Wenn nicht heute, dann morgen! Usw.

2. Öffentliche Güter bewahren und allen Menschen gratis zur Verfügung stellen, beispielsweise Natur, Trinkwasser

Es kann sich nur um öffentliche Güter mit dem Marktwert 0 handeln. Diese stehen jedem gratis zur Verfügung.

3. Allen Menschen gleiche Informationschancen geben

Jeder Mensch hätte sich qua früheres Dasein die nötigen Karmapunkte erleben können, um sich in eine informierte Familie mit Zugang zu Premiumbildung zu gebären. Wer niederer Inkarnation gewahr wird, kann’s in diesem Leben besser machen. Dies genügt als Information.

4. Unzureichender Wettbewerb: Marktchancen sind ungleich. Übermächtige Großkonzerne verteidigen ihre Markt-Vorherrschaft durch Lobbyismus.

Lobbyismus ist selbst ein Markt, auf dem noch größere Konzerne beim Politiker-Erwerb mehr bieten könnten, und auf dem andersherum die meisten Politiker gar keine Nachfrage nach ihrer Anschlussverwendung in der Wirtschaft erzeugen.

5. Einkommensunterschiede ausgleichen: Wenn etwa Unternehmensberater sehr viel Geld verdienen, müsste es deshalb in der Folge mehr Unternehmensberater geben, womit das Einkommen der Unternehmensberater wieder sänke.

Die große Nachfrage nach Beratern hat Berater hevorgebracht, die Berater beraten; dazu Berater, die Beratungsberater beraten usf. Wer als Berater einen Berater braucht, dem bleibt weniger Geld.

Arbeit ist das ganze Leben

Den Sinn des Lebens, behaupten manche, solle man sich selbst suchen. Abgesehen von der vergeudeten Lebenszeit, ehe sich endlich (falls überhaupt) ein Sinn einstellt, übersieht diese Unweisheit, dass das Leben uns Menschen diese Entscheidung abnimmt. Der Sinn des Lebens ist es, zu arbeiten, Bruttosozialprodukt herzustellen und Reichtum (nicht zwingend den eigenen) zu mehren. Denn ohne Arbeit ist alles nichts. Nun mag man einwenden, dass der Mensch zwar vielleicht 70, aber nicht 168 Stunden pro Woche arbeite, womit genug Freizeit bleibe, um das verdiente Geld für Konsum auszugeben. Doch erstens dient richtig verbrachte Freizeit der Wirtschaftsleistung, und zweitens erfährt der homo labores neue Motivation, wenn  er das verdiente Geld sogleich veräußert.

Antisoziale Menschen polemisieren mit dem Hassbegriff bullshit jobs gegen den Segen des Malochens. Angeblich nützten Jobs in der Rüstungsindustrie oder als Lakai eines Chefs der Menschheit nicht; dito Arbeit, die anderen Arbeit bereite. Dabei bedeutet das Argument: Arbeit zu schenken heißt Sinn zu schenken! Der stabilste Sinn ist der aus sich selbst gemachte.

„Das Beste, was man einem Menschen tun kann, ist, dass man ihm eine Arbeit gibt.“ (Gerhard Polt).

„Jeder kann es schaffen, aber nicht alle.“ Mit diesem Nullargument versuchen kommunistische Anhänger der linksextremen SPD die Erzählung „vom Tellerwäscher zum Millionär“ zu widerlegen. Faktencheck: Im Jahr 1923 waren alle Deutschen Millionäre! Doch wer damals oder in den sieben folgenden Jahrzehnten geboren wurde, dessen Lebenssinn stand noch nicht vor der Geburt fest.  Die Eltern fanden noch aus Liebe, „Weltanschauung“ o.ä. Sentimentalität zusammen, nicht aus Erwägungen des optimierten Nachwuchses für den Arbeitsmarkt. Die betroffenen Generationen  mussten noch eine sog. „unbeschwerte Kindheit“ absolvieren statt Frühfördermaßnahmen und eine trilinguale Kita genießen zu dürfen. Wer außerdem positiven, weil aufs Leben vorbereitenden und Resilienz schaffenden Schulstress erfährt, qualifiziert sich zum vollwertigen Mitglied der Pekuniärgemeinschaft. Zu früh Geborene können immerhin, sobald sie Gnostiker des Lebenssinns geworden sind, noch ein erfülltes Arbeitsleben führen. Ob alt oder jung, das als problematisch anmutende Konzept der Work-Life-Balance ist gar nicht so schlecht, falls sich das Leben dem Job unterordnet.

Hart arbeiten, hart feiern, hart zu Hartzlern sein.

Technischer Fortschritt gefährdete die Arbeitsbelastung, es drohte die 30h-Woche und weniger. Trotzdem ist es gelungen, Maschine und Mensch Mehrarbeit zu schenken. Das Leben, wir haben es längst herausgearbeitet, verliert seinen Sinn mit der Rente. Folgerichtiger Ausweg: arbeiten bis ins Grab, sterben bei der schönsten Sache, berufsbezogener Tod. Das bedingungslose Grundeinkommen dagegen ist die Narretei, einem Menschen einzureden, er sei schon qua Menschsein etwas wert. Dabei weigern sich sogar Anhänger dieses Behauptung, dafür einen konkreten Geldbetrag zu nennen.

Wer keine Arbeit hat, ist schlussendlich gar kein Mensch. Man beobachte nur, wie unmenschlich Obdachlose behandelt werden. Arbeitslose sind nicht nur im Wortsinne arm, sie fühlen sich auch minderwertig. Das Leben, die Gesellschaft, Markt und Sinn, es harmoniert alles wunderbar.