Sich von Abgrenzung abgrenzen?

Ist es unstrittig, dass ständiger Streit eine gute Demokratie ausmacht? Sollte einer echten Streitkultur die Meinung „man darf seine Meinung nicht sagen“ als zulässig gelten? Muss Toleranz auch diejenigen aushalten, die man nicht erträgt? Sollte man bei der resultierenden Penisschau im Vorzeigen gemeiner Meinungen hingucken? Ist die Erektion der Bosheit Privatsache, auch wenn sie nach außen drängt?

Besitzt die größte Streitbarkeit, wer beim Meinungs-Exhibitionismus am höchsten hinaus kommt?

Verdient nicht eine verbale Tracht Prügel, wer nach einer immer niederen Schwelle des Anstands trachtet? Oder gehört Kreide gefressen, um die Vernunftverachtung des Gegenübers nicht weiter zu füttern? Grätscht das Grundgesetz nicht erst dann dazwischen, wenn jemand aggressiv-kämpferisch die Meinung vertritt, dass die Meinungsfreiheit abgeschafft gehört? Ist die Debatte hierüber nicht wiederum grenzenlos in ihrem Unverständnis dieser Trennlinie?

Ist es wegweisend, Nazis den Weg aus dem Stadion zu weisen?

Ziemt es sich nun auszugrenzen, wer sich selbst aus der demokratischen Grundordnung ausgrenzt? Darf selbstauferlegte Dummheit diese Linie verschieben? Ist Zivilisationsverachtung erlaubt, wenn man ein Fragezeichen dahinter setzt? Taugen Fragezeichen zum Verstecken der eigenen Meinung? Hat Captain Obvious offensichtlich Recht? Ist es okay, jetzt hä!? zu denken?

Inwieweit stellen sich Die drei ??? selbst in Frage?

Würden Sie am Ende dieses Textes das Anzweifeln generell hinterfragen? Finden Sie Kolumnen besser, die Ihnen die Fragezeichen einfach wegnehmen? Müssen Sie den Knoten in ihrem Kopf jetzt auflösen, oder dürfen Sie ihn zerschlagen? Zielen rhetorische Fragen überhaupt auf eine Antwort ab? Endet auch noch dieser letzte Satz mit einem Fragezeichen?

Mediales nur medium garen

Nur durch ein Medium erlebt der Nachrichtennehmer die Welt jenseits des eigenen Wahrnehmungshorizonts. Doch was er erfahren möchte, unterliegt der freiwilligen Selbstbeschränkung auf seine Wohlfühlzone, weshalb er ein auf das eigene Meinungsspektrum spezialisiertes Medium wählt. Das damit gewonnene Löschwasser befriedet zwar die feuernden Neuronen, ruft aber andererseits keinen Widerspruch hervor; und ganz ohne Reibung in der Debatte springt kein Funke über.

Ein Medium vermittelt zwischen Sender und Empfänger, beispielsweise der Social-Media-Handlanger zwischen Geber und Nehmerin einer Hassbotschaft.

Ein veritabler Mediengockel hingegen legt seine Meinungsköder so aus, dass sie auch Menschen vom anderen Anschauungsufer anziehen. Er füttert sein Medium mit der Saat des Widerspruchs, den er als Kommentar-Nehmer im Gegenzug als Hass ernten darf. Das Gegrunze nährt sein Überlegenheitsgefühl, während der Newskunde bestehende Argumente bestärkt und damit sein Gehirn in Schuss hält.

Meinungsstabilisierung durch Medien-Match oder Hassbewahrung durch Mismatch?

Die Antwort liefert die maßvolle Zubereitung eines Steaks: medium! Die Wirklichkeit ist hart und unverdaulich wie gefrorenes Rindfleisch. Dagegen verlässt die sorgsam reflektierte und ausgegorene Meldung die Grenzen des etablierten Diskursniveaus und ruft qua Seriosität nur Verständnisschwierigkeiten resp. Intellekt hervor.

Die Medienlandschaft ist manchmal Wüste, mitunter aber auch Sumpf und wieder andermal Einöde.

Den Pfad des Mediokren, den goldenen Weg der Mitte, zu beschreiten, heißt eine Nachricht mit ihren Hintergründen gerade so weit zu durchdringen und in sachdienliche Hintergründe einzubetten, dass jeder Wirklichkeitskonsument sie flexibel als Fakt oder als Meinung, als Bestätigung oder Grollvorlage lesen kann. Ein sprachliches Handicap seitens der Journalistin hilft hierbei. In einem Satz: Wenn die Medien ihre Arbeit medium machen, gibt es das beste Beef.

So wird die Ökodiktatur

Die Dystopie aus einem fleischfreien Tag pro Woche, nur noch drei Flugreisen im Jahr und dem Verlust des Menschenrechts, mit 200km/h zu rasen, muss mit allen Mitteln der Sprache und der Sprachverhunzung niedergeschrieben werden! Sonst droht v.a. den Priviligierten übertriebene Härte, die bereits unter der Doktrin „Eigentum verpflichtet“ leiden (z.B. Putzkosten eines Privatschlosses).

Die Grenze der individuellen Freiheit ist das Wohlergehen der anderen der Geldbeutel. 

Einziges Problem: Das unbotmäßig eingeforderte Verbots-Verbot ist verboten, da selbst ein Verbot! Infolge dieses Logikfehlers in der Propaganga wird die Ökodiktatur doch obsiegen. So wird anstelle der bisherigen Staatsdoktrin nachhaltiger Umweltzerstörung die Gesellschaft vom Partikulärinteresse der grünen Elite, die Lebensgrundlagen zu erhalten, unterjocht werden. Schlimme Folge: Die krötenkuschelnden Despoten werden alles untersagen, was sich eigentlich von selbst verbietet: Einmal-Outfits, Neuware wegwerfen, geplanter Frühtod von Elektronik, Palmöl und  politische Themen für Markus Lanz.

In der Diktatur muss man nicht gut im Diktat sein, Ausnahme: den Fuerer richtig schreiben.

Doch freilich werden die windigen Grünen die Ökodiktatur so gestalten, dass sie Spaß macht: im Winter das warme Klimaziel in der Karibik flugs erreichen, beim Charity-Event am Büffet Engagement zeigen und spannende neue Umweltsünden begehen. Und selbstverständlich wird der Ökofaschismus auch die Blut-und-Boden-Nazis abholen.

Im Grunde wird sich also gar nichts ändern, weshalb niemand Angst zu haben braucht.

Eine Zukunft ist sicher!

Der Jugend gehört die Zukunft; das Alter kann froh sein, dass es in Zukunft raus sein wird. Doch deckt diese Dialektik nicht den ganzen Meinungsmarkt ab. Alte weiße Männer möchten, wo sie viel geherrscht, diskriminiert und den Klimawandel auf den Weg gebracht haben, auch mal Opfa sein. Die Menschen auf der anderen Seite der Schuldumkehr, junge Frauen, verlangen Satisfaktion. Revoluzzer-Seniorinnen insistieren auf ihrer Gegnerschaft von Faschisierung und Weltuntergang; während konservative Jungmenschen bereits so altklug und starrschädelig wie ihre vorgestrigen Vorbilder sind.

Die Generationen Nachkriegsmief, Golf, XYZ, AOK, Doof und Weltuntergang wurden zwar schlecht erfunden, ihre Unterscheidung trägt aber zum Verständnis des Konfliktgemengelages bei, wenn man dies unerschütterlich glaubt.

Gleichwohl, es bläst der Zeitgeist durch jede Altersgruppe, und der wind of change schenkt die Luft beim Denken, um sich auf einmal doch eine dritte Möglichkeit zwischen Vulgärkapitalismus und Stalinismus vorzustellen: Gesundung des Planeten durch weiteres Wachstum von Konsum und Mobilität; nachhaltige Blauäugigkeit in die letztlich doch noch erfundene Megasupertechnologie, die dies ermöglichte.

Folglich sollte man die Klimahybris aussitzen. Dies hat sich bereits in den 1980ern bewährt, als die Politik auf die Anti-Atom- und No-future-Bewegung mit gepflegtem Nichtstun reagierte. Sie versprach eine Zukunft, und eine solche, jeder kann es heute verifizieren, trat auch ohne Umweltpolitik ein. 2019 lässt sich sogar versprechen: Irgendeine Zukunft wird es geben, sogar eine Zukunft mit Zukunft!

Mit Furor gegen die Hysterie!

Der Begriff der „Hysterie“ war einst die Gebärmutter der Aufregung über weiblichen Furor. Eine „hysterische“ Frau konnte als gestört gelten, denn ihre Heimhaltung zwischen Küche und Kindern rief klaustrophobe Gefühle hervor Temperament, welches ihr als krankheitswertig ausgelegt wurde. Eine verrückt gute Idee der alten Männer!

Kratzbürstigkeit gegen hartnäckigen Schmutz: klares Symptom der Hysterie einer Hausfrau.

In Anlehnung an diesen bewährten Kontext heißt heute die neurotische Sorge um die Lebensgrundlagen Öko-Hysterie. Chill-Argument: Ein Naturrefugium lässt sich einfach kaufen (Beweis: Youtube).
Dies ignorierend überreizen die Youtube-Influencerinnen die Demokratie. Hibbelig setzen sie ihre Reichweite statt für Naturzerstörung erhaltenden Konsum plötzlich für das Gegenteil ein. Beeinflussung ist in Ordnung, aber sie muss in Flussrichtung erfolgen!

Positivbeispiel: Das exaltierte Motivatoren-Tschakka, der Schrei nach Erfolg und Hybris, kreischt gegen die Profilneurosen träger Kaulquappenkuschler an.

„Boah hey“ oder „Bohei“?

Das Speed, das wir Konservative einnehmen müssen, um so etwas zu schreiben, es entschleunigt den Zeitgeist der Veränderungen, die unsere Kinder aus hedonistischem Zukunftsinteresse erpressen wollen. Die Erregung, die uns daraus untenrum erwächst, ist uns Dank für die Sorglosigkeit, die wir verschenken.

Das Kommunismusgespenst artgerecht behandeln!

Kommunist Kühnert möchte den Reichen die Enteignung wegnehmen; auf einmal soll nicht mehr von unten nach oben, sondern von oben nach unten enteignet werden. Als ob man die Einkommenspyramide einfach auf die Spitze stellen könnte; als ob eine Gesellschaft, die dann nur auf zehn Multimilliardären fußte, eine tragfähige Statik aufwiese. Wo die Leistungsträger eh schon alle Lasten tragen, nicht nur das Bruttosozialprodukt alleine herstellen, sondern auch den aus dem erarbeiteten Besitz resultierenden Stress („Eigentum verpflichtet!“) erdulden müssen!

Viel lieber begrüßt man, dass durch den versuchten Staatsstreich Kühnerts das Kommunismusgespenst wiederbelebt wurde; dass endlich ein Gegenpol zur linksextremen journalistischen Einheitsfront der deutschen Medienlandschaft entsteht, welche sich erdreistet, auf Werbeanzeigen der Großkonzerne und konsumnahe Redaktionsthemen zu verzichten.

Als Gespenst bezeichnet der Volksglaube ein meist im Bettlaken-Style gekleidetes Geistwesen, das nachts in Castles mit windigen Moves lauchigen Spirit verbreitet und anschließend einfach ghostet.

Statt Nazihorden in SA-Gewand fürchtet der Deutsche das seiner Natur nach flüchtige und seit dreißig Jahren nicht mehr gesichtete Gespenst des Kommunismus. Heute jagen die damals mühsam unter die Wählscheibe gefummelten Abhörwanzen mehr Angst ein als die totale Überwachung durch die neue Stasi.

Soweit alles bestens! Aber wenn man das nun reanimierte Gespenst motivieren möchte, eine gute Performance hinzulegen, darf man es doch nicht kaputt kuscheln wie der Stern den Habeck! Ein Gespenst muss artgerecht behandelt, muss wüst beschimpft, muss mit Zeter und Mordio bedacht, aber darf doch nicht nicht gestreichelt werden! Wie soll es schlechte Vibrationen verbreiten, wenn ihm durch Verständnisbezeugungen sein Schrecken geraubt, es gar zum guten Geist gewandelt wird? Die Folgen davon — eine  wahrlich gespenstische Vorstellung!

Gleichheit durch Individualität

Der folgende Text wurde speziell für Sie, ja genau: Sie!, individualisiert:

„Wo alle Individualität haben, und alle dieselbe, und die Hysterie der Klebstoff ist, der die Gesellschaftsordnung zusammenhält.“ (Karl Kraus)

„Ich bin ich“ besser als mit diesem gerne trotzig aus dem Mund geschleuderten Diktum kann man seine Singularität nicht ausdrücken. Beweis sind Hunderttausende, die die Wendung verwenden. So viele können nicht unrecht haben, zumal mit einer Tautologie. Wer es nicht so mit der Sprache hat, drückt Individualität durch Tragen des gleichen Markenshits (Jacke wie Hose) aus.
Doch auch aus dem Gegenteil ziehen viele ihr Ich, verschmähen den Massengeschmack und basteln ihre Streetware aus Gardinenresten und Eierschalen selbst. Damit schaffen sie Konformismus im Dagegensein, Einheitlichkeit in Diversität. Wie Hipster zimmern sich auch Wohlstands-Biobürger die eigene Schublade, in die sie gehören jedoch nicht aus Sperr-, sondern aus Edelholz.

Alle über einen Kamm scheren: Einigkeit durch Kopfläuse (und die Wut darüber)

Dialektik also waltet in allen Gruppen der Individualisten: Jeder ist einzigartig, und die Einzigartigkeit ist ident. Alle rackern, verkonsumieren das Verdiente und entschädigen sich fürs Roboterdasein am Arbeitsplatz mit der Unvergleichlichkeit, die der Konsum verspricht. Diese Individualitäts-Illusion bringt die gespaltene Gesellschaft wieder zusammen. Sie schafft Gleichheit innerhalb und zwischen den Gruppen, und zwar auf der gemeinsamen Grundlage aller, der Merkbefreitheit.
Gute Prognose obendrein: Dieses die Gesellschaft einende Missverständnis ist nicht bedroht, weil das aus sich selbst gemachte Ich sich niemals richtig verstehen kann. Daran ändert kein Text etwas. Dafür erhalten diese Zeilen ihrem Autor die Selbsttäuschung, einmalig zu sein.

 

Umstrittenes Streitthema: Kinderaufzucht

Die Anschaffung eines Kindes will wohlüberlegt sein, tangiert sie doch auch alle Zeugen der Aufzucht, denen die elterliche Methodenwahl ein moralisches Dilemma bescheren könnte.

Benehmen im Benehmen mit den Eltern erzwingen?

Besteht die moralische Pflicht, das Jugendamt zu informieren, wenn das Nachbarskinde trotz täglichen Meisterunterrichts Bruckners achte Sinfonie nicht in einem Zuge durch zu spielen vermag? Ist es andersherum vertretbar, in das Elternrecht einzugreifen, obwohl Kindersexarbeit nun mal der kulturellen Grammatik einer Sekte Weltanschauungs-Gemeinschaft entspricht?

Mag man sich zum Richter aufspielen im Spannungsfelde zwischen dem kindlichen Recht auf Optimierung und dem Elterninteresse, es in Person des Sprößlings im Leben nochmal besser zu machen? Anders gefragt: Lohnt sich einer eingeschmissenen Scheibe wegen ein Zerwürfnis?

Unverbindlicher Lösungsvorschlag: Nein, falls die Wurfhaltung nicht korrekt war. Ja, so der Sprößling ein zweites Mal trifft.

Mehr Angst wagen!

Angst ist der beste Ratgeber. Sie legt Brände, mit deren Löschung der zündelnde Politiker oder Journalist gleich ein zweites Mal beim furchtaffinen Volk punktet. Angst erschafft ganze Industrien. Ein blühendes Sicherheitswesen schärft den Blick für ansonsten unsichtbare Sicherheitslücken. Es schafft auch die Muße, um immer neue Bedrohung zu empfinden. Andersherum kann die Freiheit nicht mehr ihr anarchistisches Unwesen treiben, wenn der Angst verdankte Kontrolle ihr Grenzen setzt. Stichwort Grenzkontrolle.

Der Mensch, der Angstnehmer, erhält durch seine Phobien einen starken Impuls, der ihn durchs Leben leitet. Das Denken wird automatisiert, Vorurteile erfahren automatisch Bestätigung, und Gewissenskonflikte werden zum Fremdwort. Kein Fremdwort aber: der Schiss vor Fremden.

Die Angst ist der Furcht ihrer Diffusität wegen vorzuziehen. Die Furcht können einem Gutmenschen wegnehmen; die Angst findet zur Aufrechterhaltung ihrer immer ein neues Objekt.

Ohne Angst käme kein Krieg zustande. Keine Seite würde den Anfang wagen, würde man dem Feindesland nicht einen Invasionsplan unterstellen. Angst also macht uns Menschen und Völker stark. Und sollte sich ein aus voller Unterhose heraus geführter Angriffskrieg als falsch erweisen, kann man ihn später immer noch bereuen.

„Wenn den Blödmaschinen gar nichts mehr einfällt, was sie produzieren sollen, dann produzieren sie Angst.“

Im Idealfall freilich ist die Angst komplett aus sich selbst gemacht, braucht kein Objekt, keine unterdrückten Kopftuch-Muslima, keine bedrohliche Nazikeule. Wer Angst davor hat, seine Angst zu verlieren, dem braucht nicht bange zu sein. Eine Angst jedoch ist schädlich: die Angst vor der Angst.