Mit Phrasen ein Stück weit vollumfänglich liefern

Phrasen sind das tägliche Brot, das Patentrezept für eingebrockte Suppe, das Salz in dieser, die Sie als Textnehmer auszulöffeln haben. Da müssen Sie jetzt erstmal schlucken, wenn Ihnen der Besuch dieser Seite wie ein Sack Reis auf die Füße fällt und das harte Brot der Lektüre im Halse stecken bleibt. Doch damit setzen Sie ein Zeichen – für Hartsein im Nehmen und den Garten der Harten. Und wenn ich nun einen Punkt mache, setze ich ein Zeichen für Zeichensetzung.

Floskeln sind, verkürzt gesagt, das A und O für den Mann auf der Straße. Ihm steht wie Ihnen, wertes Textobjekt, ins Gesicht geschrieben, dass er nur diese Sprache spricht. Ihm wie Ihnen muss man nach dem Mund reden. Vorteil für Sie: Die „Wortcontainer“ können Sie mit allem befüllen, was der Text nicht hergibt, z.B. mit Äpfeln und Birnen, wenn Sie etwas vergleichen wollen, oder schiefen Bildern, wenn Sie  mir abkaufen, dass das hier Kunst sein soll. Wir beide, Sie und ich, wissen, was gemeint ist. Da bin ich also ganz bei Ihnen! Die DNA des Miteinanders geht ihre eigenen Wege. Läuft.

Frische Denke, die noch in den Startlöchern steht, hat Position zu beziehen, darf sich aber sprachlich nicht aus dem Fenster lehnen. Angedachtes braucht den Klang der Straße, so wie Max Mustermann und Lieschen Müller der Schnabel gewachsen ist. Sonst droht Gegenwind, sonst wirft der Shitstorm vom Ponyhof des Lebens seinen (stinkenden) Schatten voraus. Wenn nicht, weht der andere Wind von dem Kleinvieh unter uns, das Mist baut. Andererseits sag ich mal so: Wer meinungsmäßig breit aufgestellt ist, muss auch mal zuspitzen, ein Stück weit vollumfänglich Klartext liefern. Will sagen: Wo immer wir zielorientiert handeln, ist ein Ende in Sicht, aber der Weg ist das Ziel. Da staunen Sie jetzt, was?

Zusammenfassend ist an dieser Stelle festzuhalten: Wer wie ich nachhaltig an seinem Schreibtischstuhl klebt und bei der Wortfindung nach Atem ringt, hat noch Luft nach oben. Ich trete für meine Überzeugung ein, aber Hand aufs Herz, am Ende des Tages darf der Apfel nicht weit vom Stamm fallen und muss in trockenen Tüchern liegen. Wer sich zeitnah der Herausforderung stellt, blumige Worte zu liefern, muss beim Doppelpass mit der Leserin den Ball flach halten, und Plattitüden helfen dabei. Der Bauer drischt die Base, der Textautor die Phrase. Ist so.

Sollte dies nicht aufgehen, darf man gespannt sein. Wichtig ist an dieser Stelle noch, dass alles andere den Rahmen sprengen würde. Machen Sie selbst sich ein passendes Bild. Nun habe ich meine (Bürger-)Pflicht getan und mit Targeting Menschen wie Sie begeistert. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Schicksal: alles determinierendes Drehbuch der Natur

Das Bewusstsein von uns Menschen ist nur eine Benutzerillusion. Diese Selbsttäuschung ermöglicht, als Individuen zu agieren und Verantwortung für das Handeln zu übernehmen, als gäbe es den empfundenen freien Willen wirklich. Das Bewusstsein darüber, dass Denken und Handeln determiniert sind, so möchten uns die Ergebnisse wissenschaftlicher Experimente einreden, fördere antisoziales Verhalten, denn wo kein freier Wille, da keine Schuld und keine Empathie. „Bewusstsein“? merken Sie was?

„Das Sein ist dem Seienden ein Dasein, bevor der Seiende im Sein ein Gewesener war.“ (Martin Heidegger, ähnlich)

Um nun das Konstrukt des schuldigen Menschen zu retten (es stammt aus dem Märchenbuch Bibel), wird im Kompatibilismus die Kausalität vom Augenblick der Entscheidung über das Tun zurück geschoben: All unsere Gene und Erfahrungen, alles, was je auf uns eingewirkt hat, ermögliche es uns, im Sinne unserer Überzeugungen und Werte zu handeln. Dieses Argument ähnelt dem Bergsteiger, der zehn Meter unter dem Gipfel scheitert und die Natur dafür verantwortlich macht, dass sie ganz oben noch einen Felsen draufgestellt hat.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wir kommen aus dem Marionettentheater nicht heraus, in dem das Drehbuch der Natur noch jedes Atomzucken bestimmt.

Fortunas Wirken ist die Lotterie des Lebens. Ohne Los nichts los.

Nachdem uns die Vorherbestimmung diese Einsichten ins Gehirn gepflanzt hat, können wir unser Wissen sogleich anwenden:

  • Der Vertrag meines Leasing-SUV läuft nach drei Jahren ab. Ich hole mir einen nagelneuen. Schicksal.
  • Menschenleben im Mittelmeer werden öffentlich verhandelt, Menschenretter kriminalisiert. Schicksal.
  • Wir Menschen krempeln den Planeten so um, dass es am Ende für uns selbst knapp wird. Schicksal.
  • Gentrifizierung überkommt die Städte. Über das Menschenrecht zu wohnen entscheidet der Markt. Schicksal.
  • Allein kann ich nichts bewirken. Deshalb lebe ich meinen Hedonismus aus. Schicksal.
  • Ich tue dies, aber mit einem smarten  Augenzwinkern, denn ich meine es total ironisch! Schicksal.

Sie spüren jetzt am Ende dieses Texts unschöne Dissonanz? Ihnen missfällt der Sarkasmus, und Sie trachten danach, dem Autor dafür an die Gurgel zu gehen? Kein Problem, weil Schicksal!

Enteignung gehört den Besitzenden!

Die Anhäufung exorbitanten Reichtums setzt keinesfalls die Übervorteilung anderer, sei es durch überteuerte Güter oder unterhonorierte Arbeit, voraus. Werte können sehr wohl aus dem nichts geschöpft werden. Schrottfonds bestehen nur aus Marketing, bringen aber mitunter Milliarden ein. Ebenso ist Liebe aus sich selbst gemacht und vervielfacht sich, wenn man sie vielen zukommen lässt; wenn etwa der Charitykonzern Vonovia seinen Kunden die Wohnung liebevoll saniert. Der im Gegenzug erhöhte Mietzins ist Ausdruck von Wertschätzung, wodurch beiden Seiten Karmapunkte gutgeschrieben werden.

„Ich bin gegen Sklaverei, weil nachher heißt’s wieder: Eigentum verpflichtet!“ (Gerhard Polt)

Gleichwohl ergreifen Enteignungsfantasien Besitz von Wohninteressierten. Dabei ist Enteignung nicht immer verkehrt, es muss aber das Freiwilligkeitsprinzip walten: Menschen geben aus freien Stücken ihr Einkommen für Scheißdreck dran, entscheiden sich von selbst für den Notverkauf ihrer Eigentumswohnung oder entrichten nach der Renovierung die doppelte Miete, weil sie mit der Alternative einer Freiluftwohnung nicht einverstanden sind. Auch mit der Entscheidungshilfe einer Entmietungsfirma kann man es ihnen nicht recht machen.

Das Objekt der freiwilligen Enteignung dem Enteignungsnehmer unfreiwillig zu entreißen, wäre eigentümliche Unsportlichkeit. Man verschießt ja auch keinen Elfmeter, nur weil man den Schiedsrichter bestochen hat. Man verwendet ja auch keine durchdachten Vergleiche, nur weil es noch ein, zwei Leser gibt, denen ein schiefes Bild auffällt.

„Enteignen mit Entschädigung ist genauso ein Unsinn wie Guillotine aus Watte.“ (Thomas Gsella)

Vermöge großen Vermögens lässt sich weiterer Reichtum aneignen. Dräute den Begüterten Enteignung, hätten sie keine Motivation zu weiterer Wohlstandsakquise mehr. Dies träfe auch die (neidorientierten) Skeptiker von Megavermögen, denn dem Feuer ihres Furors wäre die Nahrung genommen.

Anders gesagt: Dem Immobilien-Mogul dürfen nur Lappen durch die Lappen gehen, wenn er nämlich die Sentimentalitätstränen der besitzschwachen Enteigneten nicht aufwischen möchte. Letztlich muss das Haben im Soll sein. Und beim Besitzergreifen ist zupacken gefragt.

Gleichheit durch Individualität

Der folgende Text wurde speziell für Sie, ja genau: Sie!, individualisiert:

„Wo alle Individualität haben, und alle dieselbe, und die Hysterie der Klebstoff ist, der die Gesellschaftsordnung zusammenhält.“ (Karl Kraus)

„Ich bin ich“ besser als mit diesem gerne trotzig aus dem Mund geschleuderten Diktum kann man seine Singularität nicht ausdrücken. Beweis sind Hunderttausende, die die Wendung verwenden. So viele können nicht unrecht haben, zumal mit einer Tautologie. Wer es nicht so mit der Sprache hat, drückt Individualität durch Tragen des gleichen Markenshits (Jacke wie Hose) aus.
Doch auch aus dem Gegenteil ziehen viele ihr Ich, verschmähen den Massengeschmack und basteln ihre Streetware aus Gardinenresten und Eierschalen selbst. Damit schaffen sie Konformismus im Dagegensein, Einheitlichkeit in Diversität. Wie Hipster zimmern sich auch Wohlstands-Biobürger die eigene Schublade, in die sie gehören jedoch nicht aus Sperr-, sondern aus Edelholz.

Alle über einen Kamm scheren: Einigkeit durch Kopfläuse (und die Wut darüber)

Dialektik also waltet in allen Gruppen der Individualisten: Jeder ist einzigartig, und die Einzigartigkeit ist ident. Alle rackern, verkonsumieren das Verdiente und entschädigen sich fürs Roboterdasein am Arbeitsplatz mit der Unvergleichlichkeit, die der Konsum verspricht. Diese Individualitäts-Illusion bringt die gespaltene Gesellschaft wieder zusammen. Sie schafft Gleichheit innerhalb und zwischen den Gruppen, und zwar auf der gemeinsamen Grundlage aller, der Merkbefreitheit.
Gute Prognose obendrein: Dieses die Gesellschaft einende Missverständnis ist nicht bedroht, weil das aus sich selbst gemachte Ich sich niemals richtig verstehen kann. Daran ändert kein Text etwas. Dafür erhalten diese Zeilen ihrem Autor die Selbsttäuschung, einmalig zu sein.

 

Den Datenhunger auf der Welt stillen

Daten muss man nehmen, wie sie kommen: Daten von Dates, Klimaxdaten, Darmflora-Daten, Daten über Unverträglichkeiten wie die gegen Datenklau. Die Daten, die der homo digitalis sekündlich qua Existenz abliefert, ermöglichen eine permanente Evaluation seiner: Welcher Anteil von ihm Mensch (011101000…) ist eine Null?
Die calvinistische Vision einer Gesellschaft, in der jede alles über jeden weiß, sie ist heute praktisch Realität. New transparency: in der gläsernen Bürgerin Spuren vom Verlassen des Tugendpfades sehen. Dies‘ Wissen stellt nun jedem die Aufgabe, solch‘ schwarzes Schaf zu weißeln.

Datenschutz hingegen überlässt man lieber den Profis. Schon für geringes Schutzgeld bieten Megaklitschen wie Amazon Schutz selbst von intimsten Daten an. Merke: Externe Datensicherung ist Selbstschutz: Wer möchte bitte über sich selbst wissen, auf welchen Drecksseiten sie gesurft hat und wie sie beim Sex aussieht?

00, die digitale Toilette

Vor ein paar Jahren wurde vorgeschlagen, unsere letzten Daten freiwillig beim Staate abzuliefern. Doch was heute realisiert scheint, „die komplette Offenlegung unserer Persönlichkeit und unseres Privatlebens“, vermag den Datenhunger nicht zu stillen. Wie können wir Bürger da helfen? Indem wir brontobyteweise neue Daten herstellen, z.B.:

Ein gutes Einkommen ist die halbe Miete

Mit gutem Einkommen ist gut auskommen. Diesem Prinzip kommt man nicht aus. Es regelt, wer sich häuslich niederlässt, wer haust und wer im Freien logiert.  Das Residenzprinzip besagt, dass Menschen, die viel Haus haben, nicht haushalten müssen, wohingegen Nichtwohner hausieren. Solche Haushaltlose mag man bedauern, doch sind sie vor Wohnhaft gefeit. Keine vier Wände schränken sie ein, und sie zahlen nicht für einen engen Raum dazwischen einen Mondpreis. Es profitiert also auch, wessen Mobilität nicht am Ende des Tages an einer Haustür endet.
Demgegenüber bedeutet „ansässig zu sein“ Stillstand (okay: Stillstand im sitzen). Träges Inne(!)halten ist nicht Aufbruch zu neuen Ufern und den gemeinschaftlichen Schlafplätzen am Fluss. Dafür kann sich die Loftbewohnerin zum Indoor-Spa und auf die 360°-Terrasse bewegen.

„Der Mobile braucht keine Immobilie.“ (zwischen Tür und Angel vernommen).

Was also der Markt zum Wohle von Residenz- wie Parkbewohnern regelt, die Mietpreisbremse will es zerstören. Sie ist das Tempolimit für drinnen, bremst die Obdachlosen-Mobile aus und gefährdet die Freiluftwohnungen.
Damit nicht genug, diskriminiert sie die zum Haushalten verdammten Normalverdiener; sollen doch deren Buden beim Durchökonomisieren außen vor bleiben (wie die Hausierer vor der Wohnungstür). Ohne Bremse gewährleisten Schönheitsreparaturen Mietsteigerungen und damit ökonomisches Wachstum selbst auf kleinstem Raum. Warum nun ist das auch für die Einzelne gut? Weil die Mieterin vermöge (!) der exorbitanten Miete das Gefühl bekommt, teuer und exquisit zu wohnen. Will sagen: Sie kann mit dem Wucher wuchern.

Schulkinder aufgemerkt: ein gutes Lernklima reicht!

Die Schule ist Schule des Lebens: Druck erfahren, Druck aushalten, Leistung bringen, Klappe halten. Die Lehrer-Jury benotet evaluiert die Performance beim Binge-Learning, und so lernt die Pennälerin auch außerhalb des Faches Mathematik die Lektion: Ich bin Mensch, weil man meinen Wert in Zahlen nennen kann. Zahlen, die sich darin auszahlen, wie viel Bruttosozialprodukt ich später herstellen werde. Sinn des Lebens ist es, zu funktionieren und ein durchoptimiertes Rädchen im alternativlosen System aus Arbeit und Konsum, Brot und Spielen zu sein.

Nun blicken viele Kinder dennoch hinter den Tellerrand der Schulspeisung. Sie horten sich zusammen, weil sie sich nicht mit einem guten Lernklima zufrieden geben. Nein, sie möchten gut Wetter machen für weniger Erwärmung! Dies wäre zu begrüßen, richtete sich der Schülerprotest gegen die Erwärmung der Herzen für Lernschwache.

„Minderjährige können gar nicht ermessen, wozu es gut ist, wenn wir Erwachsene ihnen einen beschädigten Planeten hinterlassen.“ (Deutscher Erwachsenenschutz-Bund)

Blagenseits protestiert man besser gegen Unterrichtsreste, die „selbstständiges Denken“ fördern. In jedem Fall hat die Aufruhr nach Unterricht, Hausaufgaben und Förderfreizeit stattzufinden. (Revolutionen wurden historisch stets gemäß einer strengen Ordnung ausgetragen.)
Es ist löblich, dass die Revoltekids statt „einfach Kind zu sein“ (wozu?) ihre ansonsten Lebenszeit verschwendende Kindheit freiwillig für etwas dran geben, das Erwachsene tun. Besser als zu demonstrieren wären aber beispielsweise das Sammeln sinnfreier Weiterbildungs-Zertifikate und arbeiten.

Merke: Beim Klimaschutz genügt ein Sturm im Wasserglas.

Botschaft für den Schulweg, liebe Kinder: Engagement ja, jedoch nicht für Baumschulen, sondern für Lernen mit eichenharten Sanktionen! Boykott des Lernens ist nicht entschuldbar, wohl aber Boykott der Lernschwächlinge. Und zuletzt, liebe Rotzpiepen: Vorsicht vor Schwänzen!

Mitmachen bei der Weltrettung, Tiere!

Mensch, Tiere! Dass Euch die Frage nach der Zuständigkeit für die Weltrettung nicht erreicht, das habt Ihr mit Eurer Leseschwäche ja fein eingerichtet. Statt Eurer sollen wir Menschen die Welt alleine richten, dabei sind wir nur eine von acht Millionen Arten. Damit nicht genug, entziehen sich viele von Euch Tieren durch Aussterben (Folge ungenügender Nachhaltigkeit!) auf nimmerwiedersehen der gemeinsamen Aufgabe aller Gattungen. Dieser Speziezismus  macht einen als Mensch fuchsteufelswild.
Dabei sind die Möglichkeiten, sich konstruktiv einzubringen, so divers, wie Ihr Tiere es seid. Zitterwale: spendet Strom, Rinder: betätigt Euch als Leibeswind-Kraftwerke, Regenwürmer: engagiert Euch in Trockenzonen!

Verursacherprinzip: Der Mensch habe mit seiner kognitiven Überlegenheit die Zerstörung des Planeten alleine bewerkstelligt. Merken Sie was?

Die Existenz verpflichtet jedes von Euch Tieren zu Engagement gemäß Veranlagung. Wer nichts kann, kann wenigstens keinen Schaden anrichten. Elefanten mögen sensitivere moves pflegen, Vögel weniger fliegen und Winterschläfer den Schlaf auf den Sommer ausdehnen. Biber säen für jeden gefällten Baum einen neuen. Unsolidarische Fleischfresser,  Löwen, Vielfraße, Orkas steigen auf Lichtnahrung um. Hungernde Tiere machen aus ihrer Not eine Tugend und ernähren sich von Plastik. Gattungen, die am Gabentisch der Natur hungernd versagen, passen  sich einem anderen Himmelskörper an, Vorbild Mondfisch. Und Ihr übrigen Totalversager im Tierreich, tragt wenigstens ein Umweltsiegel!

Ein Zuhause für die Heimat!

Wer geistig heimatlos, dem schenkt die Perspektive seines Welt-Erlebens den Stolz, Zentrum des Universums zu sein. Rundherum befindet sich Heimat, heim@home (Sinnbild klammernder Affe). Sie erstreckt sich bis zum eigenen Horizont. Die freiwillige Selbstverpflichtung, diesen nicht zu überschreiten, schützt das Weltbild, das schief im Kopfkino des Oberstübchens hängt. Dort läuft ein Heimatfilm. Auf deutschem Waldboden stehen (bodenständig) ein Jäger und ein blondbezopftes Mädel. Der Jäger richtet das Fadenkreuz auf ein schwarzes Schaf.

Reisewarnung: „Die Heimat stirbt auf Reisen.“ (aus dem Ausland)

Heimat ist …

hut.jpg der Eigensaft, in dem du schmorst, die Schwitzigkeit von Schmorbraten und alten Turnhallen

hut.jpgdie Schlachtplatte auf dem Eichentisch und in der blutgetränkten Erde

hut.jpgdas beschauliche Sentiment beim Anblick von weißgelben Gardinen, Zirbelstube und ausgestopfen Tieren

hut.jpgdie heimelige Lauschigkeit von Marschmusik und braunem Almgedudle

hut.jpg die Wellness, die aus der ins rechte Licht gerückten Geschichte entsteht

hut.jpg die Rückentwicklung in die Kindheit, in der du mit Seppelhut herumgelaufen bist

hut.jpg die Gemütlichkeit der Weltanschauung, in der alle anderen Trottel sind

 

Umstrittenes Streitthema: Kinderaufzucht

Die Anschaffung eines Kindes will wohlüberlegt sein, tangiert sie doch auch alle Zeugen der Aufzucht, denen die elterliche Methodenwahl ein moralisches Dilemma bescheren könnte.

Eingriff oder nicht? Benehmen im Benehmen mit den Eltern erzwingen?

Besteht die moralische Pflicht, das Jugendamt zu informieren, wenn das Nachbarskinde trotz täglichen Meisterunterrichts am Klavier Bruckners achte Sinfonie nicht in einem Zuge durch zu spielen vermag? Ist es andersherum vertretbar, in das Elternrecht einzugreifen, obwohl Kindersexarbeit nun mal der kulturellen Grammatik einer Sekte Weltanschauungs-Gemeinschaft entspricht?

Mag man sich zum Richter aufspielen im Spannungsfelde zwischen dem kindlichen Recht auf Optimierung und dem Elterninteresse, es in Person des Sprößlings im Leben nochmal besser zu machen? Anders gefragt: Lohnt sich einer eingeschmissenen Scheibe wegen ein Zerwürfnis?

Unverbindlicher Lösungsvorschlag: Nein, falls die Wurfhaltung nicht korrekt war. Ja, so der Sprößling ein zweites Mal trifft.