Ich esse, also bin ich

„Man ist, was man isst.“ Schon der unselige Franz Josef Strauß bekam diese tausendfach durchgekaute Klokalender-Weisheit für seinen dem Schweinefleischkonsum angelehnten Look um die Ohren gehauen (von einem Moslem). Heute sind wir Menschen so weit, dass wir durch unsere Ernährungsweise Äußeres wie Inneres steuern können.

So stiftet Essen Superfood tolle Placebo-Effekte und Verachtung für alle, die andere Kalorien zwischen die Kauleisten schieben. Bereits vegane und mit überteuertem Biofood angefütterte Dreikäsehochs Steppkes wissen ihre prekären, Fleisch essenden Kindkollegen zu verachten. Der despektierliche Blick eines dreijährigen Aroniabeer-Apologeten auf den gummibärkauenden Mitknirps besagt „ich fresse dich!“. Essen ist als Distinktionsmerkmal so wirksam wie Baklawa gegen Unterzucker.

Ayurvedische Ernährung: ausgewogene Harmonie der Geschmacksrichtungen Zucker, Fett, Salz, Alkohol, Glutamat und Kohlehydrate.

Essen, liebe Essende (Mahlzeit!), spendet neben all dem, was es an Stoffen enthält, ganz, ganz viel Sinn. Fette, Eiweiße, Weizen u.u.u. – in welcher Form was gut oder schlecht ist, bietet mehr Interpretationsspielraum als Alfons Schuhbecks angebliche Kocherei. Die Liebe zum Streit übers Essen, sie eint uns und hält die Gesellschaft zusammen.

Kochideen:

Wer sich dennoch, liebe Vegetarier, Veganer und Alimentarier unter Ihresgleichen nicht individuell genug fühlt, die schmiere den anderen in der food group die Unverträglichkeiten aufs Brot. Hier ist, anders als auf dem Teller*, mehr stets mehr!

Nachhause-mitnehm-Botschaft für die Tupperschüssel: Essen ist die bessere Religion, weil es das Heilsversprechen schon für das Hier und Jetzt gibt.

 

* Mehr ist mehr oder weniger nicht so gut.

 

Disclaimer: Diese Text war bereits auf Kummerkomik erschienen und wurde nun (auf kleiner Flamme) aufgewärmt.

So wird die Ökodiktatur

Die Dystopie aus einem fleischfreien Tag pro Woche, nur noch drei Flugreisen im Jahr und dem Verlust des Menschenrechts, mit 200km/h zu rasen, muss mit allen Mitteln der Sprache und der Sprachverhunzung niedergeschrieben werden! Sonst droht v.a. den Priviligierten übertriebene Härte, die bereits unter der Doktrin „Eigentum verpflichtet“  leiden (z.B. Putzkosten eines Privatschlosses).

Die Grenze der individuellen Freiheit ist das Wohlergehen der anderen der Geldbeutel. 

Einziges Problem: Das unbotmäßig eingeforderte Verbots-Verbot ist verboten, da selbst ein Verbot! Infolge dieses Logikfehlers in der Propaganga wird die Ökodiktatur doch obsiegen.
So wird anstelle der bisherigen Staatsdoktrin, die Umweltzerstörung nachhaltig zu bewahren, die Gesellschaft vom Partikularinteresse der grünen Elite unterjocht werden, die Lebensgrundlagen zu erhalten. Schlimme Folge: Die krötenkuschelnden Despoten werden alles untersagen, was sich eigentlich von selbst verbietet: Einmal-Outfits, Neuware wegwerfen, geplanter Frühtod von Elektronik, Palmöl und  politische Themen für Markus Lanz.

In der Diktatur muss man nicht gut im Diktat sein, Ausnahme: die Fuerer richtig schreiben.

Doch freilich werden die windigen Grünen die Ökodiktatur in Wirklichkeit so gestalten, dass sie Spaß macht: im Winter das warme Klimaziel in der Karibik flugs erreichen, beim Charity-Event am Büffet Engagement zeigen und spannende neue Umweltsünden begehen. Selbstverständlich wird der Ökofaschismus auch die Blut-und-Boden-Nazis abholen.

Im Grunde wird sich also gar nichts ändern, weshalb niemand Angst zu haben braucht.

Humor ist kein Spaß!

Lachen befreit, welch schöner Mechanismus! Aber man gebraucht ihn nicht aus Spaß, sondern aus Not, als „Mittel gegen Angst“ (Leo Fischer), Irrsinn und drittklassigen Fußball. Ebenso gibt es keinen Galgenhumor ohne Galgen oder  wenigstens einen kleinen Tod (in Fortnite).

„Satire bedeutet, einen Witz in guter Absicht zu machen.“ (Tim Wolff) Mithin zu scherzen, um Himmelschreiendes und die Infamität der öffentlichen Verhandlung von Menschenrettung anzuprangern. Kein Jux auch, wenn einem, der sich selbst in die rechte Ecke gestellt hat, bescheinigt wird, satirisch zu agieren.

Was aber ist eine gute Absicht?

Warum ist rechts nicht gut, bloß weil sich Rechtssein gegen Minderheiten, Schwache und Aufklärung richtet? Weshalb ist Zivilisation besser als Barbarei? Die fehlende Letztbegründung beendet die Diskussion pointenfrei mit der Nichtantwort auf die Frage: Warum ist böse nicht gut?
Folglich verursacht Satire moralinsaure Diskussionen.

Und sie reagiert immer nur, nämlich auf Missstände. Sie existiert nur durch das Verachtenswerte, Abscheuliche und die Altenbockums dieser Welt.

„Geht eine Maus um die Ecke und ist weg.“ Vermag ein Antiwitz die Wirkung eines Witzes aufzuheben?

Humor dagegen ist schlichtes lustig finden; es kommt am benutzerfreundlichsten zum Einsatz, wenn dümmste Vorurteile bestätigt werden. Hier ist das Lachen selbst das Ärgernis.
Statt vollkoffrig kann Humor aber auch tief verschnarcht sein und damit den ernsten Hintergrund einer Schlafstörung (Tagesmüdigkeit) haben.

Schwindel Humortheorien: Theorien ohne Humor.

Finales Argument gegen die Gaudi des Lachens: Martin Sonneborn zufolge bietet Satire eine „Alternative zum Bomben werfen“. Die satirische Haltung zum Leben, sie ist knapp neben dem Terrorismus angesiedelt.
Und sie speist sich daraus, welche Komiker die Geschicke der Welt lenken. Während die Komikerin dagegen zetert, eine zu sein. Komisch ist das alles nicht.

Eine Zukunft ist sicher!

Der Jugend gehört die Zukunft; das Alter kann froh sein, dass es in Zukunft raus sein wird. Doch deckt diese Dialektik nicht den ganzen Meinungsmarkt ab. Alte weiße Männer möchten, wo sie viel geherrscht, diskriminiert und den Klimawandel auf den Weg gebracht haben, auch mal Opfa sein. Die Menschen auf der anderen Seite der Schuldumkehr, junge Frauen, verlangen Satisfaktion. Revoluzzer-Seniorinnen insistieren auf ihrer Gegnerschaft von Faschisierung und Weltuntergang; während konservative Jungmenschen bereits so altklug und starrschädelig wie ihre vorgestrigen Vorbilder sind.

Die Generationen Nachkriegsmief, Golf, XYZ, AOK, Doof und Weltuntergang wurden zwar schlecht erfunden, ihre Unterscheidung trägt aber zum Verständnis des Konfliktgemengelages bei, wenn man dies unerschütterlich glaubt.

Gleichwohl, es bläst der Zeitgeist durch jede Altersgruppe, und der wind of change schenkt die Luft beim Denken, um sich auf einmal doch eine dritte Möglichkeit zwischen Vulgärkapitalismus und Stalinismus vorzustellen: Gesundung des Planeten durch weiteres Konsum- und Mobilitätswachstum; nachhaltige Blauäugigkeit in die letztlich doch noch erfundene Megasupertechnologie, die dies ermöglichte.

Konstruktiverweise sollte man also die Klimahybris ruhig  aussitzen. Dies hat sich bereits in den 1980ern bewährt, als die Politik auf die Antiatom- und No-future-Bewegung mit gepflegtem Nichtstun reagierte. Sie versprach eine Zukunft, und eine solche, jeder kann es heute verifizieren, trat auch ohne Umweltpolitik ein. 2019 lässt sich sogar versprechen: Irgendeine Zukunft wird es geben, sogar eine Zukunft mit Zukunft!

Mit Furor gegen die Hysterie!

Der Begriff der „Hysterie“ war einst die Gebärmutter der Aufregung über weiblichen Furor. Eine „hysterische“ Frau konnte als gestört gelten, denn ihre Heimhaltung zwischen Küche und Kindern rief klaustrophobe Gefühle hervor Temperament, welches ihr als krankheitswertig ausgelegt wurde. Eine verrückt gute Idee der alten Männer!

Kratzbürstigkeit gegen hartnäckigen Schmutz: klares Symptom der Hysterie einer Hausfrau.

In Anlehnung an diesen bewährten Kontext heißt heute die neurotische Sorge um die Lebensgrundlagen Öko-Hysterie. Chill-Argument: Ein Naturrefugium lässt sich leicht kaufen (Beweis: Youtube).
Dies ignorierend überreizen die Youtube-Influencer die Demokratie. Hibbelig setzen sie ihre Reichweite statt für Naturzerstörung erhaltenden Konsum plötzlich für das Gegenteil ein. Beeinflussung ist in Ordnung, aber sie muss in Flussrichtung erfolgen!

Positivbeispiel: Das exaltierte Motivatoren-Tschakka, der Schrei nach Erfolg und Hybris, kreischt gegen die Profilneurosen träger Kaulquappenkuschler an.

„Boah hey“ oder „Bohei“?

Das Speed, das wir Konservative einnehmen müssen, um so etwas zu schreiben, es entschleunigt den Zeitgeist der Veränderungen, die unsere Kinder aus hedonistischem Zukunftsinteresse erpressen wollen. Die Erregung, die uns daraus untenrum erwächst, ist uns Dank für die Sorglosigkeit, die wir verschenken.

Gut aussehen mit Lookism

Ist Lookism erlaubt, wenn einer ausschaut wie Philipp Amthor? Wenn die Mimik des Spätgeborenen bereits die Jungen in der CDU uralt aussehen lässt? Wenn dieser aber eher in der Rolle, für die er seinen Kopf hergibt, als in persona unsympathisch ist? Wenn anders’rum jener welche halt aus der Wäsche guckt, wie vom Klischee gebacken, und damit das Altbackene der CDU vor Augen führt? Ist es statthaft, das schablonensmarte Aussehen zu betrachten, wo der Hingucker sich sein Image mit der Blümchenkanne selbst einschenkt? Und die Klaviatur der Phrasen bereits wie ein alter Meister beherrscht? Anders gefragt: Fresse halten, wenn so einer die Fresse hinhält?

„Das sieht nicht aus!“ (Volksmund) Ist Unansehnlichkeit nonexistent oder Nonexistenz?

Ziemt es sich, einen Elfmeter reinzumachen, der zwar ein Tor für die Gerechtigkeit ergäbe, bei dem jedoch eine wohlgepflegte Locke Torwart Amthor die Sicht raubt?
Lässt man dennoch Lookism durchblicken, in welchem Licht lässt es einen erscheinen? Und welche Fragen wirft diese Frage auf?

Wer sich nun frägt, warum er jetzt viele Fragezeichen im Gesicht trägt, frage sich noch bitte, was dies über die Beherrschung seines Mimenspiels verrät. Gibt es Tiefe in der oberflächlichen Betrachtung? Besitzt umgekehrt die deepeste Ebene selbst eine Oberfläche?

Gesünder mit dem Golden-Age-Syndrom

Wir Menschen von heute können unsere Erinnerungen nach Belieben verschönern und mit dem Vintage-Filter des wishful thinking in die schönsten, nie dagewesenen, Retrofarben hüllen. Positiv gefärbte Erinnerungen schenken uns Glück im Hier und Jetzt, wie Positivpsychologen und der Universalgelehrte Dr. Hirschhausen bestätigen. Das selbstgemachte Glück, der positive Relaunch der Vergangenheit, gelingen dabei umso besser, je schlechter die Gegenwart performt.

Wir sind, was wir denken, glauben, hassen lieben. So bin z.B. ich qua Nachkolorierung meiner Vergangenheit eine intellektuelle Größe und ein Sternekoch der Premiumsprache. Doch Pessimisten haben sich einen perfiden Begriff ausgedacht, um Positivisten wie mich zu diskredieren, ja: zu pathologisieren. Sie klatschen einem das Etikett „Golden-Age-Syndrom“ an die Stirn.

Goldener Lipgloss: Lippenbekenntnis zu Glamour, goldenes Pearcing: Hautbekenntnis zu Edelmetall.

Negativisten verweigern sich dem Golden-Age, der Ex-post-Heilung Berichtigung der Vergangenheit und bleiben unweigerlich ein Sauertopf und Trauerkloß in Leberwurstsoße. So will uns der Schafschwärzer Glücksverleugner Dietmar Wischmeyer weismachen: „Früher war es anders scheiße“. Ja doch, Wischmeyer hat recht, aber anders als er denkt. Früher konnte man nämlich Scheiße nicht in Gold verwandeln; Alchemie war noch kein Studienfach, sondern Aufgabe der allerdings in  ihrer Berufsausübung behinderten Hexen. Heute gibt es Biogas, hipster sales u.u.u.

Das Golden-Age-„Syndrom“ optimiert unsere Geschichte, macht sie im Perfekt perfekt: Alles ist super gewesen! Betroffene Begünstigte im fortgeschrittenen Stadium auf Experten-Level mögen sogar die 1980er eine Dekade, die sich Zeitzeugen als Prügelstrafe für Augen und Ohren darbot. Und wo das Bewusstsein das Sein macht, wer hat tatsächlich die beiden Weltkriege gewonnen, hm? Es hätte keinen relativierenden Guido Knopp gebraucht, der wie alle anderen behauptete, dass Hitler ein Nazi gewesen sei.

Jetzt mag der notorische Mitdenker dazwischen grätschen: Was nützt es den Menschen der Vergangenheit, wenn es erst heute gelingt, die alten Zeiten zu heilen; wenn das Heute erst morgen gut ist? Ganz einfach: Zukunftssicherung! Damit die nächste Generation etwas zum Schöndenken hat, wie sollten die heutigen Zeiten demzufolge sein? Na, schnackselt schnackelt es im Hirnkastel? Welche Verschwendung also wäre es, Lebensenergie für die sogenannte Realität auszugeben, wenn bereits feststeht: Die heutigen Zeiten werden gut gewesen sein!

Das Kommunismusgespenst artgerecht behandeln!

Kommunist Kühnert möchte den Reichen die Enteignung wegnehmen; auf einmal soll nicht mehr von unten nach oben, sondern von oben nach unten enteignet werden. Als ob man die Einkommenspyramide einfach auf die Spitze stellen könnte; als ob eine Gesellschaft, die dann nur auf zehn Multimilliardären fußte, eine tragfähige Statik aufwiese. Wo die Leistungsträger eh schon alle Lasten tragen, nicht nur das Bruttosozialprodukt alleine herstellen, sondern auch den aus dem erarbeiteten Besitz resultierenden Stress („Eigentum verpflichtet!“) erdulden müssen!

Viel lieber begrüßt man, dass durch den versuchten Staatsstreich Kühnerts das Kommunismusgespenst wiederbelebt wurde; dass endlich ein Gegenpol zur linksextremen journalistischen Einheitsfront der deutschen Medienlandschaft entsteht, welche sich erdreistet, auf Werbeanzeigen der Großkonzerne und konsumnahe Redaktionsthemen zu verzichten.

Als Gespenst bezeichnet der Volksglaube ein meist im Bettlaken-Style gekleidetes Geistwesen, das nachts in Castles mit windigen Moves lauchigen Spirit verbreitet und anschließend einfach ghostet.

Statt Nazihorden in SA-Gewand fürchtet der Deutsche das seiner Natur nach flüchtige und seit dreißig Jahren nicht mehr gesichtete Gespenst des Kommunismus. Heute jagen die damals mühsam unter die Wählscheibe gefummelten Abhörwanzen mehr Angst ein als die totale Überwachung durch die neue Stasi.

Soweit alles bestens! Aber wenn man das nun reanimierte Gespenst motivieren möchte, eine gute Performance hinzulegen, darf man es doch nicht kaputt kuscheln wie der Stern den Habeck! Ein Gespenst muss artgerecht behandelt, muss wüst beschimpft, muss mit Zeter und Mordio bedacht, aber darf doch nicht nicht gestreichelt werden! Wie soll es schlechte Vibrationen verbreiten, wenn ihm durch Verständnisbezeugungen sein Schrecken geraubt, es gar zum guten Geist gewandelt wird? Die Folgen davon — eine  wahrlich gespenstische Vorstellung!

Vollkasko für Nanorisiken

Der Schutz vor echten Gefahren wie dem Klimawandel ist unmöglich, da schicksalsgegeben. Doch wird dies durch gefühlte Sicherheit kompensiert   vor Terroristen und unterdrückten Kopftuchmuslima. Im Gegenzug darf der Bürger Freiheitsrechte abgeben, mit denen er ohnehin überfordert ist (Recht, auf Erwerbsarbeit zu verzichten); oder die er aus Autoritätsaffinität wieder loswerden möchte (Recht auf keine Todesstrafe). Noch wirksamer ist allerdings die Protektion vor Nichtgefahren; und in einer verkindenden Gesellschaft punktet man am allerbesten, wenn man die Bürgerin vor sich selbst schützt, wenn der Kampf gegen selbstgemachte Bedrohungen gewonnen wird:

Das behütete Gefühl, wenn du fest in ein Sicherheitsnetz eingewickelt bist.

Zusammengefasst schafft die Bewahrung vor Bagatellrisiken Sicherheit beim Drahtseilakt auf dem Boden. Die Veräußerung der Verantwortung für Handeln und Trachten befreit den Menschen von der Last der Haftpflicht: Dein Tun hat nichts mit dir zu tun jedenfalls, wenn es nicht gut tut. Sprachlich ist Fehldeutungen vorzubeugen: Ein Missverständnis ist nicht Kenntnis junger Frauen.

Fahrlässigkeit: beim Rauchen im Auto die Hände cool vom Steuer nehmen.
Grobe Fahrlässigkeit: dabei Schnaps trinken

Das Leben, es ist vom Herausfallen aus dem Mutterleib an Risiko. Das Lebensrisiko lässt sich minimieren, indem man so wenig lebt, wie man kann.

 

 

Spendierhosen ja, aber von Gucci!

Schenken bedeutet, etwas ohne Erwartung einer Gegenleistung abzutreten. Doch gilt nur als Leistung, was sich in Geld bemessen lässt, worunter eine ideelle Vergeltung nicht fällt. Auf diese hat die Schenkerin sogar einen moralischen Anspruch. Der zehnfachen Millionärin ist für eine Spende von hundert Euro zehn mal so viel Dank geschuldet wie dem Hartz-IV-Empfänger, der von hundert Euro Vermögen zehne abgibt (Beweis: Grundschulmathematik).

Karmapunkte als Ersatz verschieben die immaterielle Belohnung auf später. Daran ist zu kritisieren, dass die Edelleute, die Millionen in den Klingenbeutel Notre Dames gedropped haben, erst im Paradies für die Seelenrettung Frankreichs entlohnt werden; dass den großherzigen Megaspendern nach Wiederaufbau der Premiumkathedrale als Entschädigung eine persönliche pray lounge und eine Dachterrasse mit heaven view zustünden.
Wer dies nicht nur negiert, sondern aus Neid auf die Leistungsträger und ihre hart erarbeiteten Millionen, Kirchen- und Obdachlosenrettung gegeneinander auspielt, der sei gefragt: Was ist wichtiger, Leibes- oder Seelenheil?

Lohn für Wohlfahrt aus Altruismus und Philantropie: eine Seifenspende für die schmutzigen Hände

Große Hilfe findet im Großen statt. Bill Gates beispielsweise schenkt der WHO nicht nur Milliarden, der IT-Spezialist stiftet auch sein medizinisches Weltwissen, erstellt die Charts der zu bekämpfenden Krankheiten und lässt kranke Konzerne mitheilen.

In einer Welt, in der manche Konzerne mehr Geld haben als die meisten Staaten, gehört die Weltrettung selbstredend privatisiert. Das Soziale ist privat in den besten Händen: Am privat finanzierten Charity-Buffet wird gegen den Welthunger angeschlemmt. Die Ärmsten der Armen danken das ausdauernde Engagement mit einem immateriellen „vergelt’s Gott“. Immerhin.