Wir Menschen von heute können unsere Erinnerungen nach Belieben verschönern und mit dem Vintage-Filter des wishful thinking in die schönsten, nie dagewesenen, Retrofarben hüllen. Positiv gefärbte Erinnerungen schenken uns Glück im Hier und Jetzt, wie Positivpsychologen und der Universalgelehrte Dr. Hirschhausen bestätigen. Das selbstgemachte Glück, der positive Relaunch der Vergangenheit, gelingt dabei umso besser, je schlechter die Gegenwart performt.

Wir sind, was wir denken, glauben, hassen lieben. So bin z.B. ich qua Nachkolorierung meiner Vergangenheit eine intellektuelle Größe und ein Sternekoch der Premiumsprache. Doch Pessimisten haben sich einen perfiden Begriff ausgedacht, um Positivisten wie mich zu diskredieren, ja: zu pathologisieren. Sie klatschen einem das Etikett „Golden-Age-Syndrom“ an die Stirn.

Goldener Lipgloss: Lippenbekenntnis zu Glamour, goldenes Pearcing: Hautbekenntnis zu Edelmetall.

Negativisten verweigern sich dem Golden-Age, der Ex-post-Heilung Berichtigung der Vergangenheit und bleiben unweigerlich ein Sauertopf und Trauerkloß in Leberwurstsoße. So will uns der Schafschwärzer Glücksverleugner Dietmar Wischmeyer weismachen: „Früher war es anders scheiße“. Ja doch, Wischmeyer hat recht, aber anders als er denkt. Früher konnte man nämlich Scheiße nicht in Gold verwandeln; Alchemie war noch kein Studienfach, sondern Aufgabe der allerdings in  ihrer Berufsausübung behinderten Hexen. Heute gibt es Biogas, hipster sales u.u.u.

Das Golden-Age-„Syndrom“ optimiert unsere Geschichte, macht sie im Perfekt perfekt: Alles ist super gewesen! Betroffene Begünstigte im fortgeschrittenen Stadium auf Experten-Level mögen sogar die 1980er eine Dekade, die sich Zeitzeugen als Prügelstrafe für Augen und Ohren darbot. Und wo das Bewusstsein das Sein macht, wer hat tatsächlich die beiden Weltkriege gewonnen, hm? Es hätte keinen relativierenden Guido Knopp gebraucht, der wie alle anderen behauptete, dass Hitler ein Nazi gewesen sei.

Jetzt mag der notorische Mitdenker dazwischen grätschen: Was nützt es den Menschen der Vergangenheit, wenn es erst heute gelingt, die alten Zeiten zu heilen; wenn das Heute erst morgen gut ist? Ganz einfach: Zukunftssicherung! Damit die nächste Generation etwas zum Schöndenken hat, wie sollten die heutigen Zeiten demzufolge sein? Na, schnackselt schnackelt es im Hirnkastel? Welche Verschwendung also wäre es, Lebensenergie für die sogenannte Realität auszugeben, wenn bereits feststeht: Die heutigen Zeiten werden gut gewesen sein!

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