Die Anhäufung exorbitanten Reichtums setzt keinesfalls die Übervorteilung anderer, sei es durch überteuerte Güter oder unterhonorierte Arbeit, voraus. Werte können sehr wohl aus dem nichts geschöpft werden. Schrottfonds bestehen nur aus Marketing, bringen aber mitunter Milliarden ein. Ebenso ist Liebe aus sich selbst gemacht und vervielfacht sich, wenn man sie vielen zukommen lässt; wenn etwa der Charitykonzern Vonovia seinen Kunden die Wohnung liebevoll saniert. Der im Gegenzug erhöhte Mietzins ist Ausdruck von Wertschätzung, wodurch beiden Seiten Karmapunkte gutgeschrieben werden.

„Ich bin gegen Sklaverei, weil nachher heißt’s wieder: Eigentum verpflichtet!“ (Gerhard Polt)

Gleichwohl ergreifen Enteignungsfantasien Besitz von Wohninteressierten. Dabei ist Enteignung nicht immer verkehrt, es muss aber das Freiwilligkeitsprinzip walten: Menschen geben aus freien Stücken ihr Einkommen für Scheißdreck dran, entscheiden sich von selbst für den Notverkauf ihrer Eigentumswohnung oder entrichten nach der Renovierung die doppelte Miete, weil sie mit der Alternative einer Freiluftwohnung nicht einverstanden sind. Auch mit der Entscheidungshilfe einer Entmietungsfirma kann man es ihnen nicht recht machen.

Das Objekt der freiwilligen Enteignung dem Enteignungsnehmer unfreiwillig zu entreißen, wäre eigentümliche Unsportlichkeit. Man verschießt ja auch keinen Elfmeter, nur weil man den Schiedsrichter bestochen hat. Man verwendet ja auch keine durchdachten Vergleiche, nur weil es noch ein, zwei Leser gibt, denen ein schiefes Bild auffällt.

„Enteignen mit Entschädigung ist genauso ein Unsinn wie Guillotine aus Watte.“ (Thomas Gsella)

Vermöge großen Vermögens lässt sich weiterer Reichtum aneignen. Dräute den Begüterten Enteignung, hätten sie keine Motivation zu weiterer Wohlstandsakquise mehr. Dies träfe auch die (neidorientierten) Skeptiker von Megavermögen, denn dem Feuer ihres Furors wäre die Nahrung genommen.

Anders gesagt: Dem Immobilien-Mogul dürfen nur Lappen durch die Lappen gehen, wenn er nämlich die Sentimentalitätstränen der besitzschwachen Enteigneten nicht aufwischen möchte. Letztlich muss das Haben im Soll sein. Und beim Besitzergreifen ist zupacken gefragt.

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