Den Sinn des Lebens, behaupten manche, solle man sich selbst suchen. Abgesehen von der vergeudeten Lebenszeit, ehe sich endlich (falls überhaupt) ein Sinn einstellt, übersieht diese Unweisheit, dass das Leben uns Menschen diese Entscheidung abnimmt. Der Sinn des Lebens ist es, zu arbeiten, Bruttosozialprodukt herzustellen und Reichtum (nicht zwingend den eigenen) zu mehren. Denn ohne Arbeit ist alles nichts. Nun mag man einwenden, dass der Mensch zwar vielleicht 70, aber nicht 168 Stunden pro Woche arbeite, womit genug Freizeit bleibe, um das verdiente Geld für Konsum auszugeben. Doch erstens dient richtig verbrachte Freizeit der Wirtschaftsleistung, und zweitens erfährt der homo labores neue Motivation, wenn  er das verdiente Geld sogleich veräußert.

Antisoziale Menschen polemisieren mit dem Hassbegriff bullshit jobs gegen den Segen des Malochens. Angeblich nützten Jobs in der Rüstungsindustrie oder als Lakai eines Chefs der Menschheit nicht; dito Arbeit, die anderen Arbeit bereite. Dabei bedeutet das Argument: Arbeit zu schenken heißt Sinn zu schenken! Der stabilste Sinn ist der aus sich selbst gemachte.

„Das Beste, was man einem Menschen tun kann, ist, dass man ihm eine Arbeit gibt.“ (Gerhard Polt).

„Jeder kann es schaffen, aber nicht alle.“ Mit diesem Nullargument versuchen kommunistische Anhänger der linksextremen SPD die Erzählung „vom Tellerwäscher zum Millionär“ zu widerlegen. Faktencheck: Im Jahr 1923 waren alle Deutschen Millionäre! Doch wer damals oder in den sieben folgenden Jahrzehnten geboren wurde, dessen Lebenssinn stand noch nicht vor der Geburt fest.  Die Eltern fanden noch aus Liebe, „Weltanschauung“ o.ä. Sentimentalität zusammen, nicht aus Erwägungen des optimierten Nachwuchses für den Arbeitsmarkt. Die betroffenen Generationen  mussten noch eine sog. „unbeschwerte Kindheit“ absolvieren statt Frühfördermaßnahmen und eine trilinguale Kita genießen zu dürfen. Wer außerdem positiven, weil aufs Leben vorbereitenden und Resilienz schaffenden Schulstress erfährt, qualifiziert sich zum vollwertigen Mitglied der Pekuniärgemeinschaft. Zu früh Geborene können immerhin, sobald sie Gnostiker des Lebenssinns geworden sind, noch ein erfülltes Arbeitsleben führen. Ob alt oder jung, das als problematisch anmutende Konzept der Work-Life-Balance ist gar nicht so schlecht, falls sich das Leben dem Job unterordnet.

„Hart arbeiten, hart feiern, hart zu Hartzlern sein.“

Technischer Fortschritt schien die Arbeitsbelastung zu gefährden, es drohte die 30h-Woche und weniger. Trotzdem ist es uns Menschen gelungen, Maschine und Mensch Mehrarbeit zu schenken. Das Leben, wir haben es längst herausgearbeitet, verliert seinen Sinn mit der Rente. Folgerichtiger Ausweg: arbeiten bis ins Grab, sterben bei der schönsten Sache, berufsbezogener Tod. Das bedingungslose Grundeinkommen dagegen ist die Narretei, einem Menschen einzureden, er sei schon qua Menschsein etwas wert. Dabei weigern sich sogar Anhänger dieses Behauptung, dafür einen konkreten Geldbetrag zu nennen.

Wer keine Arbeit hat, ist schlussendlich gar kein Mensch. Beobachten Sie nur, wie unmenschlich Obdachlose behandelt werden. Arbeitslose sind nicht nur im Wortsinne arm, sie fühlen sich auch minderwertig. Das Leben, die Gesellschaft, Markt und Sinn, es harmoniert alles wunderbar.

Ein Gedanke zu “Arbeit ist das ganze Leben

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