Es gibt immer Grund zu streiten, man muss nur einen finden. Streitbare Menschen sind da ausgenommen, denn sie sind Streitgrund in persona. Wer keine Streitlust empfindet, dem kommt sie wie  die Begierde beim Sex, wenn einem einer einen Streit aufzwingt. Dies bewerkstelligen Monologiker; Menschen, die anderen ungefragt die Welt auseinandersetzen. Resultat: eine Auseinandersetzung.

Kommt eine Meinungskollision zustande, lassen Gruppenprozesse Passanten wortgewaltig in ein Verbalscharmützel einsteigen. Bei idealer Kooperation folgt dem Wortbattle ein Konfliktmanagement mit Fäusten. Rechtsausleger haben da Vorteile. Gibt es jedoch zu derbe auf die Fresse, ist weiterer Zwist zwar wahrscheinlich; der konflikterprobte Mund kann aber keine Hassworte mehr formen. Ausweg dann: virtueller Zank. Es lässt sich ehrlicher, zivilisationsferner streiten, wenn man jemandem die Unsympathiebezeugung nicht ins Gesicht sagen muss. Nachteil: Orthographieunfälle lenken oft von der Sache, der Hassbezeugung, ab.

Metastreits heben einen Disput auf eine höhere Ebene, z.B. die der Argumentationslogik (ohne Argumentationslogik gelingt die Verachtung der Meinung des anderen besser.) Finden die Kontrahenten auf der Metaebene nicht im Streit zusammen, lässt sich trefflich darüber streiten, wer daran schuld ist.

Den Feinschmeckern unter den Streithanseln bietet das Schmollen eine Alternative. Diese „kulturell verfeinerte Aggression“ dient dem Belohnungsaufschub. Wer eine Weile beleidigt ist, versammelt die Kräfte des Unfriedens in sich, um dann umso lauter Krach zu schlagen. Passive Aggressivität ist nicht per se verkehrt. Doch wer einmal eine Latte vom Zaun bricht, muss sie auch in eine Rangelei einbringen. Hickhack muss keine Metapher bleiben. Benehmen, gewaltfreie Kommunikation oder gar Anti-Aggressionstraining stehen der Animosität feindselig gegenüber und sind daher abzulehnen.

Differenzen auszutragen ist die Streitkultur der Mathematiker und Intellektuellen. Sie drückt sich in Subtraktionen und anderen verkopften Operationen aus. Auf den Kopf gibt es dabei selten.

Zwist ist zunehmend intrinsisch motiviert. Stunkprofis brauchen keinen Streitgrund. Sie haben sich perfekt dem Gesellschaftsprinzip jeder gegen jeden angepasst, tragen die Verrohung im Herzen und lassen sich von ihrer Intuition leiten. Veritablen Streits ist gemein, dass nach dem Meinungsbattle jeder seine Sicht der Dinge behält.  Weiterer Knatsch ist so gewährleistet.

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